Übergewicht (Adipositas)

Als Übergewicht (Adipositas) bezeichnet man ein Maß an Körperfett, das über das Normalmaß hinausgeht.
Übergewicht wird mithilfe des Body Mass Index (BMI) festgestellt. Der BMI errechnet sich, indem man den Quotienten aus Körpergewicht in Kilogramm und Körpergröße zum Quadrat in Metern teilt.

BMI = Körpergewicht (kg) / Körpergröße ² (m²)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterscheidet je nach BMI unterschiedliche Grade des Übergewichts:

Kategorie

Body Mass Index

Risiko für Begleiterkrankungen

Untergewicht < 18,5 niedrig
Präadipositas 25 – 29,9 gering erhöht
Adipositas Grad I 30 – 34,5 Erhöht
Adipositas Grad II 35 – 39,9 Hoch
Adipositas Grad III 40 und höher sehr hoch

Als übergewichtig gelten Menschen mit einem BMI von über 25 Kilogramm pro Quadratmeter. Bei einem BMI von über 30 Kilogramm pro Quadratmeter spricht man von schwerem Übergewicht (Adipositas permagna).
Übergewicht nimmt in den Industrieländern stetig zu. Aktuellen Schätzungen zufolge sind in Mitteleuropa etwa 35 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer mit einem BMI über 25 übergewichtig. Stark übergewichtig (adipös) mit einem BMI über 30 sind etwa 20 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer. Auch Adipositas bei Kindern nimmt zu.

Übergewicht entsteht in den meisten Fällen durch die übermäßige Zufuhr von Kalorien und mangelnde Bewegung. Der individuelle Kalorienbedarf ist abhängig vom Alter, Geschlecht und Ausmaß der körperlichen Betätigung. Er kann mithilfe umfangreicher Tabellen ermittelt werden.
Seltener liegen dem Übergewicht andere Ursachen zugrunde wie genetische Störungen, Stoffwechselerkrankungen, Stress oder Einnahme von Medikamenten.

Bei Adipositas sind Beweglichkeit und Belastbarkeit eingeschränkt. Letztendlich können sämtliche Organe in unterschiedlicher Ausprägung durch das Übergewicht beeinflusst und auch geschädigt werden. Der Bewegungsapparat, vor allem die Gelenke, werden belastet, es kommt schneller zu Gelenkverschleiß (Arthrose) und hierdurch zu Schmerzen als bei Normalgewichtigen. Das Herz und die Gefäße sind starken Beanspruchungen ausgesetzt. Häufig leiden Übergewichtige an Bluthochdruck (Hypertonie), zu hohem Fettgehalt im Blut (Hyperlipidämie) und daher auch an Verkalkungen der Blutgefäße (Arteriosklerose). Im Laufe der Jahre kann sich eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) entwickeln. Dementsprechend kommt es zu Kurzatmigkeit und Ansammlungen von Flüssigkeit im Körper (Ödeme). Das Risiko, einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall zu erleiden, ist erhöht.
Durch die übermäßige Zufuhr an Kalorien und die meist fehlerhafte Zusammensetzung der Nahrung leiden Menschen mit Übergewicht oftmals an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) und Gicht. Krankheiten des Magen-Darm-Trakts und der Leber wie Sodbrennen, Magenschleimhautentzündung, Gallensteine bis hin zu Darmkrebs werden durch Übergewicht begünstigt. Auch hormonelle Störungen wie zu viele männliche Hormone bei Frauen sowie Potenzprobleme bei Männern können auftreten.
Die Entstehung anderer bösartiger Tumore kann durch Übergewicht gefördert werden. Die Beeinträchtigung der Lebensqualität und die psychosozialen Folgen des Übergewichts sind kaum objektiv zu erfassen, sollten jedoch nicht unterschätzt werden.

Zusätzlich zum BMI sollte man die Fettverteilung und den Taillenumfang des Übergewichtigen beachten: Der Umfang der Taille gilt als Risikofaktor für Folgeerkrankungen an Herz und Gefäßsystem, wenn er 88 cm bei Frauen bzw. 102 cm bei Männern überschreitet.
Um andere Ursachen des Übergewichts als übermäßige Zufuhr an Kalorien auszuschließen, sind ein ausführliches Arztgespräch mit Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) und eine Blutentnahme erforderlich.

Übergewicht bei Menschen mit einem BMI über 30 sollte behandelt werden. Bei Menschen mit einem BMI zwischen 25 und 30 sollte eine Behandlung erfolgen, wenn sie zusätzlich unter anderen Erkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes mellitus leiden, da das Risiko von Folgeerkrankungen deutlich erhöht ist. Auch bei einem vergrößerten Taillenumfang von über 88 cm bei Frauen bzw. 102 cm bei Männern sowie starker psychischer Belastung ist eine Therapie ratsam.
Eine Gewichtsabnahme kann in erster Linie durch eine langfristige Ernährungsumstellung und ausreichend Bewegung erreicht werden. Eine langsame Abnahme um etwa fünf bis zehn Prozent des Ausgangsgewichts ist anzustreben.
Chirurgische Maßnahmen bei Adipositas finden nur bei sehr stark ausgeprägtem Übergewicht Anwendung. Liegt der BMI über 40 bzw. über 35 und liegen andere Risikofaktoren für Folgeerkrankungen vor, kann eine Operation hilfreich sein. Die Entscheidung hierzu muss sehr sorgfältig getroffen werden.

Der Krankheitsverlauf bei Übergewicht ist abhängig vom Ausmaß der Adipositas und von der Krankheitsdauer. Sämtliche Organe des Körpers können in unterschiedlicher Ausprägung durch das Übergewicht beeinflusst und auch geschädigt werden. Übergewicht gilt als der wichtigste Faktor für die Entwicklung des so genannten Metabolischen Syndroms (Wohlstandssyndrom). Je deutlicher das Metabolische Syndrom ausgeprägt ist, umso höher ist das Risiko für die Entstehung von Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Diese wiederum stellt die Voraussetzung für den möglichen Verschluss eines Blutgefäßes dar. Es kann so zu Herzinfarkten und Schlaganfällen kommen. Bei voller Ausprägung des Metabolischen Syndroms ist das Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall um etwa das Dreifache im Vergleich zum Gesunden erhöht. Ein zunehmender BMI ist mit einer steigenden Verkürzung der Lebenserwartung verbunden.

Die wichtigsten Maßnahmen, um Übergewicht vorzubeugen, sind eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung. Die Ernährung sollte nicht zu viel Fett und Zucker enthalten, jedoch reich an Ballaststoffen und Wasser sein.

Nicht immer sind die Folgen des Übergewichts reversibel, wenn eine Gewichtsabnahme erfolgt. Es ist daher besonders wichtig, so früh wie möglich eine Gewichtsabnahme einzuleiten bzw. der Gewichtszunahme vorzubeugen, insbesondere bei Kindern.